Google+

27.07.2010

Loveparade 2010 - Nachbetrachtung

"In der Nachbetrachtung offenbaren sich ja nicht nur mal wieder Größenwahn, Profitgier und kulturelle Naivität der leitenden Angestellten unserer Republik. Die Loveparade unter dem Motto „The Art of Love“, also die Kunst der Liebe, war schon ein aufdringlicher Massenschwindel und wenn unsere Pietätsheuchler und Kondolenzkamerilla jetzt nur über Sicherheitskonzepte und Sicherheitslücken nach “denken“ offenbaren sie nur, das postindustrielle Elend weiter „kulturell“ überformen zu wollen.
Wer vor allem auch Jugendlichen identitätsstiftende Lebens- und Erkenntniswelten verweigert, braucht sich nicht zu wundern über den Run auf (kostenlose) Großereignisse. Man braucht sich über den Zustrom ins „second life“ nicht zu wundern, wenn das „first life“ beschissen ist.
Wenn Jugendzentren vor sich hin dümpeln, Schulen zu Bildungsvollzugsanstalten verkommen, Kulturarbeit verkümmert, wenn statt Werten und Inhalte nur noch „Kompetenzen“ in Schulen und Bildungseinrichtungen vermittelt werden, um im globalen Wettbewerb andere nieder zu konkurrenzieren, der Sozialdarwinismus gefördert wird, warum wundert man sich dann noch, wenn es nur noch Identität durch Selbstaufblähung gibt dann geht es nach dem Motto „immer größer – immer schneller – immer weiter“. Hätten Jugendliche „vor Ort“ Möglichkeiten jugendgemäßer Entfaltung, bräuchte es keiner Mega-Events, die sich dann doch als Massenschwindel und Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Verblödung erweisen. Aber auch der trauernde Betroffenheitsjournalismus kratzt nur ein bisschen an der Oberfläche, haben wir doch in der Berichterstattung der „aktuellen Stunde“ unsere „Ich-bin-hier-draußen-schwer-professionell-vor-Ort-Reporter“ erlebt, die als Angehörige der plappernden Kaste auch nicht wussten, was sie dachten, da sie noch nicht gehört hatten, was sie gesagt hatten ..."

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen